Click to listen highlighted text! Powered By GSpeech

2./3. Die Römer im Jenseits

Die Römer hatten konkrete Vorstellungen von einem Weiterleben des Menschen nach dem Tode – den Verstorbenen so gut wie möglich auf diese letzte Reise vorzubereiten, war für die Hinterbliebenen ein großes Anliegen. In der römischen Vorstellung lebte die Seele (anima) des Toten in seinem Grab weiter mit denselben Bedürfnissen, die er auch im Leben hatte. Um diese neue „Daseinsform“ zu erlangen, war der Verstorbene auf die Einhaltung der Rituale und die Ausstattung seines Grabes mit Beigaben angewiesen. Für die Angehörigen war die Bestattung und die Totenfürsorge Pflicht, zumal man den Toten durch die Opfer wohlwollend stimmen wollte. Denn nach der römischen Vorstellung waren die Toten dazu in der Lage, das Schicksal der Lebenden positiv oder negativ zu beeinflussen. Schlimmer noch - konnten sie doch  auch als Wiedergänger ihr Unwesen treiben. Somit wurde stets genauestens darauf geachtet, dem Verstorbenen ein ordentliches Begräbnis zu bereiten und die jährlich wiederkehrenden Gedenktage einzuhalten.

Die Totenwelt wurde als gefährlich und düster angesehen, weshalb sich die Begräbnisplätze (Nekropolen) stets von den Lebenden getrennt außerhalb der Stadtmauern befanden. Diese Sitte wurde in Rom bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. durch das sogenannte Zwölftafelgesetz festgelegt und bis in die Spätantike so praktiziert. Die römischen Friedhöfe waren keinesfalls abgelegene Plätze, sondern man setzte die Toten beidseits der wichtigen Straßenverbindungen bei. Da die Gräber für jeden sichtbar sein sollten, waren die römischen Bestattungen architektonisch gestaltet: entweder als einfache Markierungen, Stelen oder auch als sehr aufwendige Grabbauten. Neben den „städtischen“ Begräbnisplätzen gab es auch kleinere Friedhöfe, die zu den ländlichen Villen gehörten. Die Antike kannte sowohl Körper- als auch Brandbestattungen. Wie man beisetzte, variierte je nach Zeitstellung: In der frühen und mittleren römischen Kaiserzeit (1. -3. Jahrhundert n. Chr.) war die Brandbestattung üblich, dann setzte sich im 4. Jahrhundert nach und nach die Körperbestattung in Bleisärgen oder Sarkophagen durch.

Die römische Totenfürsorge war mit festen Ritualen verbunden. Während sich für die Provinzen nördlich der Alpen Aussagen zur Totenehrung und Bestattungsritualen hauptsächlich anhand der archäologischen Befunde machen lassen, sind für Rom und den italischen Raum die Bestattungssitten durch schriftliche und bildliche Überlieferungen sehr gut nachzuvollziehen. Der Verstorbene wurde zunächst zu Hause bei den Hinterbliebenen aufgebahrt und für die Bestattung hergerichtet, was mehrere Tage in Anspruch nehmen konnte. Danach trugen ihn die Angehörigen in einem Leichenzug zum Begräbnisplatz (funus) für die Beisetzung oder die Verbrennung der Leiche. Oft gab es für eine Nekropole einen gemeinsam genutzten Scheiterhaufen (ustrina), der von der eigentlichen Grabstätte räumlich getrennt war. Die Kremation wurde häufig zusammen mit persönlichem Besitz und Abschiedsgeschenken durchgeführt. Einige Tage nach der Verbrennung barg man die in der Asche verbliebenen Überreste und sammelten sie in einem Behältnis, beispielsweise einem Ton- oder Glasgefäß. Zusammen mit einer zweiten Beigabenausstattung wurde die Urne schließlich in der eigentlichen Grabgrube beigesetzt. Art, Umfang und Qualität dieser Beigaben waren vom sozialen Stand des Bestatteten abhängig. Es wurde dem Toten mitgegeben, was man für im Jenseits als nützlich erachtete. Eine große Rolle spielten beispielsweise Speisen - wie Obst, Gemüse oder Fleisch - und Getränke, die die Seele für das Reich der Toten stärken sollte. Dazu wurde natürlich auch das passende Geschirr mit in das Grab gegeben. Des Weiteren sollten Lampen Licht in der ewigen Dunkelheit spenden. Es finden sich aber auch Gegenstände, die auf bestimmte Tätigkeiten oder den Beruf hinweisen können.

Da der Tod als Verunreinigung galt, mussten sich die Angehörigen nach der Beisetzung noch einigen Riten unterziehen, um sich davon zu befreien. Dazu zählen ein Totenmahl sowie Reinigungsriten nach dem Ende einer neuntägigen Trauerzeit. Zwei Mal im Jahr wurden zu Ehren der Toten Feste abgehalten: Die Parentalia wurden vom 13. bis zum 21. Februar begangen, die Lemuria am 9., 11. sowie 13. Mai. Sie dienten dazu, die Erinnerung an den Toten zu erhalten, indem man die Gräber besuchte und den Ahnen Gaben brachte.

Religion und Kult im römischen Reich

Veranstaltungen

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
4
5
6
7
8
11
12
13
14
15
16
18
19
20
21
22
23
24
25
27
28
29
30
Click to listen highlighted text! Powered By GSpeech