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10. Jenseitsvorstellungen im Judentum

 

Judentum

 Mit seiner über 3000-jährigen Geschichte ist das Judentum die älteste, heute noch existierende monotheistische Religion. Mit einer Anhängerschaft von etwa 13 bis 15 Millionen Menschen ist sie zwar die zahlenmäßig kleinste der großen Religionsgemeinschaften, doch aufgrund der zahlreichen Vertreibungen und Verfolgungen, denen die Juden im Laufe der Geschichte ausgesetzt waren, ist sie über die ganze Welt verbreitet.

 Die Grundlage des jüdischen Glaubens bildet die Thora. Darin befinden sich die fünf Bücher Moses (schriftliche Thora) sowie die erläuternden rabbinischen Schriften (mündliche Thora). Sie enthält 613 „Mitzwot“ (im Deutschen bedeutet dies so viel wie „Gesetze“). Mit dem Bund zwischen Abraham und Gott beginnt laut der Thora die Geschichte des jüdischen Volkes. Dieser Bund wird zuerst mit Jakob und schließlich auch dessen 12 Söhnen fortgesetzt, die als die Gründungsväter der 12 Stämme Israels gelten. Über Moses, der das Volks aus ägyptischer Knechtschaft führte, erhielten die Juden die schriftliche und mündliche Thora von Gott. Das örtliche Zentrum des jüdischen Glaubens befindet sich noch heute auf dem Tempelberg in Jerusalem.

 

Der jüdische Friedhof in Linn

Juden in Linn

Mit der ersten überlieferten Stadtrechnung von 1621 ist auch die Anwesenheit von Juden in Linn belegt. Die jüdische Bevölkerung erreichte hier im Jahr 1830 mit 42 Personen ihren Höchststand. 1933 lebten nur noch 15 Juden in Linn. Die Existenz der alten jüdischen Gemeinde endete mit dem Judenpogrom am 10. November 1938, als auch die Linner Synagoge zerstört wurde. Die hier noch lebenden Juden wurden deportiert und ermordet.

Die Gemeinden in Linn und Bockum konnten 1865/66 aufgrund einer Erbschaft aus dem Nachlass des Mennoniten Philipp de Greiff, der mit seiner Familie im Jagdschloss der Burg Linn wohnte, eine Synagoge an der Rheinbabenstraße erbauen.

 

 

Der jüdische Friedhof in Linn

Seit spätestens 1751 beerdigte man auf dem Friedhof in Linn (vor dem Bruchtor) die Juden aus Latum, Bockum, Osterath, Uerdingen und Hohenbudberg gegen eine Zahlung an die Stadt. Schon 1778 war der Friedhof komplett belegt, worauf der Magistrat den Juden ein angrenzendes Feldstück im Linner Bruch an der jetzigen Stelle überließ. Heute existieren noch 64 Grabsteine bzw. Fragmente auf dem Friedhof. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1792 und der jüngste noch lesbare von 1922. Die letzte Beerdigung auf dem Linner Friedhof fand 1936 statt.

 

Der jüdische Friedhof in Krefeld-Linn

Juden in Krefeld

 Die ersten in Krefeld wohnhaften Juden sind seit der Zeit der oranischen Herrschaft (seit 1607) belegt. Allerdings waren sie erheblichen Reglements unterworfen. Dies änderte sich erst mit den Preußen (seit 1702), die zwar weiterhin die Lebensbedingungen der Juden erheblich einschränkten, jedoch das Wachstum einer kleinen jüdischen Gruppe zuließen. In der Mitte des 18. Jahrhunderts lebten zehn jüdische Familien (53 Personen) in Krefeld. Damit war ihre Zahl so groß, dass sie 1764 eine eigene Synagoge einweihen konnten.

Mit der Herrschaftsübernahme der Franzosen im Jahr 1794 erhielten die Juden zum ersten Mal die gleichen Rechte wie alle anderen französischen Bürger, doch aufgrund von Protesten seitens der französischen Bevölkerung wurden diese 1808 wieder weitgehend rückgängig gemacht. Unter der erneuten preußischen Herrschaft seit 1814 setzten sich Liberale wie der Krefelder Hermann von Beckerath (1847) für die Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung ein, was in einigen Teilbereichen auch gelang. 1870 schließlich erhielten die Juden volle Bürgerrechte im Deutschen Reich.

Die Zahl der Juden stieg im 19. Jahrhundert signifikant an (1828: 215; 1864: 871; 1890: 1992), so dass man weitere Gebetshäuser benötigte. 1841 wurde in Uerdingen, 1865 in Linn und 1883 in Hüls eine Synagoge eingeweiht. Die Synagoge im Krefelder Stadtzentrum wurde 1853 neugebaut.

Die Blütezeit der jüdischen Gemeinde, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm und in der wilhelminischen und Weimarer Ära ihren Höhepunkt hatte, fand 1933 mit dem Beginn der NS- Terrorherrschaft ein jähes Ende. Die zunehmenden Repressalien unter denen die Juden litten, führten zu Emigrationswellen ins Ausland, die ihren Höhepunkt in den Jahren 1938/39 fand. Der Teil der Krefelder Juden, die ihre Heimat nicht verlassen wollten oder konnten, fielen dem NS-Rassenwahn zum Opfer und wurden in den folgenden Kriegsjahren in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Kaum ein deutscher Jude überlebte den NS- Terror.

Erst in den 1950er-Jahren erstand wieder eine jüdischen Gemeinde, die sich zwar über den gesamten linken Niederrhein erstreckte, aber nicht einmal 100 Mitglieder hatte. 1964 erhielt die Gemeinde einen kleinen Betsaal auf der Rheinstraße und bis zum Anfang der 90er-Jahre wuchs sie auf etwa 200 Mitglieder an.

 

Jenseitsvorstellungen im jüdischen Glauben

Denn der Staub muss wieder zur Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.“ (Prediger 12,7)

Der Glaube an ein Weiterleben in einer jenseitigen Welt, in der der Mensch gerichtet wird und seine Seele weiterlebt, ist die Grundidee des jüdischen Denkens. Der Tod wird nur als vorübergehende Trennung von Leib und Seele betrachtet. Bei der Auferstehung werden sie wieder zusammengeführt. Demzufolge ist das Grab bis zur Auferstehung die Wohnstatt des Toten. Friedhöfe werden auch „Haus des Lebens“ (hebräisch Bethachaijm) und „Haus der Ewigkeit“ (hebräisch Bet olam) genannt. Der Erwerb eines Grabes wird wie ein Grundstückskauf behandelt. Es gehört dem Toten und ist nach jüdischem Recht unverkäuflich. Jüdische Friedhöfe sollen streng genommen bis zum Tag der Auferstehung unverändert bestehen bleiben.

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